Alltäglichkeiten

Ich trinke warmen Whisky mit warmer Cola aus einem kalten Glas. Ich stelle mir vor, wie ich meinen Arm ausstrecke, die Hand nach unten beuge und sanft mit den Fingerspitzen das Glas schüttle, so dass die Eiswürfel leise klirren und die Cola zischt. Aber leider habe ich keine Eiswürfel, nicht mal so eine Form, mit der man Eiswürfel macht.

Manchmal steige ich in Busse, obwohl ich nicht weiß, wo diese hinfahren werden. Ich will es auch nicht, auf diesen bescheuerten Plänen nachzuschauen. Ich denke dann immer: Die Chancen sind 50:50, dass dieser Bus in deine Richtung fährt. Dann sitze ich und warte.

Das Glas steht neben meinem Laptop. Schon zweimal stand ein Bier neben meinem Laptop und ich hab es umgeschmissen. Schon zweimal ist es direkt auf die Tastatur, noch kein einziges Mal irgendwo zur Seite gekippt. Beim ersten Mal habe ich den Laptop zur Reparatur gebracht, beim zweiten war die Garantie abgelaufen und ich musste die Tasten selbst saubermachen, wobei ich die *Taste rausgebrochen habe. Es ist gut, dass man die *Taste fast nie braucht, außer man ist Mathematiker und will das + verwenden oder ein blödes Internet-Kiddie.

Manchmal sage ich Leuten, ich müsste in die andere Richtung gehen, nur um einem Smalltalk mit eben diesen Menschen auszuweichen. Oft gehe ich dann noch auf Toilette, rufe jemanden an oder schreibe eine SMS. Meistens treffe ich die Menschen dann doch an der Haltestelle der Straßenbahn wieder und man steht schweigend nebeneinander.

Gleich werde ich mein Zimmer fegen. Wenn man gefegt hat, sieht es immer so aus, als sei alles sauber. Stimmt aber gar nicht. Ich kann mich nicht mehr erinnern, wie lange es her ist, dass ich auf meinem Bücherschrank Staub gewischt habe. Manche Menschen saugen ihre Schränke ab. Das empfinde ich immer als seltsam.

Manchmal im Supermarkt kommt mir der Gedanke, mein Leben zu ändern. Dann kaufe ich Milch und Obst und manchmal sogar Gemüse. Nach fünf Tagen schmeiße ich dann alles weg, weil es entweder schlecht ist und/oder stark riecht. Nur Äpfel werden bei mir fast nie schlecht, aber wenn die Apfeltüte nach 5 Wochen immer noch im Schrank liegt und die Äpfel so aussehen, als seien sie gerade gepflückt worden, graut mir vor Aldi.

Eigentlich war es mir noch nie richtig lange unangenehm, so ganz allein zu wohnen. Wäre ich jemand anders, würde ich nun die Vorteile einer eigenen Wohnung auflisten, aber das interessiert mich eigentlich nicht. Und doch frage ich mich oft, ob die Zeit nicht langsamer vergeht, je mehr man mit Leuten spricht und Sachen gemeinsam unternimmt.

Manchmal gehe ich durch den Tag und mir fallen hunderte von Sachen ein, die ich gern niederschreiben würde. Ich habe überlegt mir ein Diktiergerät anzuschaffen, aber dann ist mir aufgefallen, dass ich mich schäme, vor wildfremden Menschen Sachen daher zu nuscheln. Wenn ich dann endlich hier, zuhause, vor dem Laptop sitze, ist alles wie ausgelöscht. Heute war es anders.
3.12.06 18:59
 


bisher 0 Kommentar(e)     TrackBack-URL

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)



 Smileys einfügen
Gratis bloggen bei
myblog.de